08.02.2010 23:00:30

Medien, Kultur, Veränderung und so.

Was ich erstaunlich finde an den aktuellen Plagiatsvorwurfsdiskussionen und Entschuldigungen rund um das Buch "Axolotl Roadkill" ist zum Einen, dass die von der Autorin und dem Verlag gelieferte Entschuldigung/Erklärung zunächst plausibel ist, aber offensichtlich nicht so ohne weiteres kommentar- und diskussionslos akzeptiert werden will. Es bietet sich an, den Urheber-Spieß umzudrehen. Und zum Zweiten, dass in den Kommentaren zu den entsprechenden Artikel nirgends (ich habe nicht alle gelesen!) mal darüber nachgedacht wurde, wie denn eine 16/17-jährige das Netz wahrnimmt und benutzt.

Kurz zur Vorgeschichte:

"...de[r] vom Feuilleton gefeierte[] Roman „Axolotl Roadkill“ der 17-jährigen Berlinerin Helene Hegemann [...] weist eine enge Nähe unter anderem zu dem etwas unbekannteren Roman „Strobo“ des Autors Airen [auf]."
(Spreeblick)


Natürlich gibt es einge Kritik die man an Verlag und auch an Autorin anbringen kann, bezüglich der Sorgfaltspflichten und auch des aktuellen Umgangs damit. Bspw. hätte der Ulstein-Verlag auch in die Offensive gehen und dazu aufrufen können, dass sich Betroffene, die ebenfalls der Meinung sind, dass von ihren Veröffentlichungen abgekupfert wurde, beim Verlag melden sollen. Er hätte darüber hinaus nicht nur anbringen können, dass sich über die ""sharing"-Kultur " "einer jungen, begabten Autorin" streiten lässt, sondern gleich damit anfangen sollen und sich wenn schon nicht sofort dazu positionieren, so doch mindestens Anstöße formulieren können.

Aber hey, was überrascht dabei? Dass ein antiquiertes System (Verlagswesen) mit gelernten Abwehrmechanismen (die zudem derzeit wohl auch noch juristisch einwandfrei sind) auf eine veränderte Realität reagiert? Dass eine Generation heranwächst, die sich gerade (und sicherlich nich zuletzt wegen der medialen Inkompetenz der beiden Generationen vor ihr) von der Kopplung zwischen Ideen und ihren Erzeugern löst? Fast hätte ich ein "endlich" eingebaut. Dass es vielleicht zunehmend nicht mehr wichtig sein wird, WER etwas gedacht, formuliert, gestaltet hat, sondern ob es "funktioniert"? Ob es als "brauchbar" empfunden wird? Finanziell, logisch oder emotional.

Ich weiß nicht, ob es gewinnbringend sein kann, die Kopplung zwischen Autor und Werk (im weitesten Sinne zu verstehen) zu lösen, weil man damit einen Großteil des Kontextes der jewiligen Aussage entfernt. Aber wenn weiterhin die "wir kümmern uns darum"-Mentalität der zur Zeit noch am längeren Hebel Sitzenden zur Anwendung kommt, wird diese Trennung zwangsläufig Einzug halten.

Es ist einer der Aspekte in der Auflösung von Kausalität die sich allendhalben zeigt. Die Ausdruck eines sich Streubens gegen Veränderung ist. Und Ausdruck einer Unfähigkeit sich von Strukturen zu lösen, die nicht mehr zeitgemäß sind, die nicht mehr in einer geänderten Realität funktionieren.

Dabei geht es nicht darum, wie man es bewertet, zumindest nicht im ersten Schritt. Zunächst muss (sollte) man anerkennen, dass man Neues braucht und dann, wie das aussehen kann, um möglichst alle Interessen gleichmäßig zu vertreten. So man das will. Nur wundern sollte man sich hinterher nicht, weil Veränderung immer bedeutet, dass sich etwas ändert.

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