27.01.2015 23:59:16

Es geht um einen Teil von dir. Das Monster. - Monster des Monats Januar 2015

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Ich bin heute über diesen Text hier gestolpert. Klar, beim Schlagwort ’Monster’ bleib ich schnell hängen. Aber es geht nicht um die Monster, die ich sonst hier (gern auch augenzwinkernd) präsentiere - dachte ich. Es geht um das in der Gesamtheit Abscheulichste was Menschen anderen Menschen antun können, konnten und zu dem man auch am heutigen, symbolträchtigen, siebzigsten Jahrestag, keine wirkliche Freude oder gar eine Befreiung empfinden kann. (Ich werde dazu keine weiteren Skalierungen vornehmen.) Also nichts fürs Blog - dachte ich.

Und dann steht da zum Schluss:

Es geht um uns. Es geht um dich. Es geht um einen Teil von dir. Das Monster.

Das Monster, es ist ein Teil von dir! Und plötzlich gab es da eine dringende Verbindung. Das Monster, die Monster, hier und da vorbeispazieren, die ich gern rational, analytisch, ironisch, manchmal komisch vorstelle, betrachte oder einfach nur zeige, sie alle sind doch letztlich genau da. Sie sind Verbildlichungen, Abbilder, gestaltgewordene Figur von Kräft, Drängendem, von Impulsen, die uns zutiefst innewohnen.

Dass ich dieses Bild hier von Jakub Rozalski dann heute noch fand war Zufall, auch wenn es optisch, stilistisch, sogar symbolisch genau zum Thema passt. Erstarren vor dem Monster. Die Waffe noch in der Hand, die Gegenwehr im Anschlag steht man doch gelähmt vor dem Unleugbaren. Man ist überwälltig und wortgetreu gefesselt angesichts dessen, was geschiet.

Vielleicht ist das das Monster. Vielleicht sind die wirklichen Schrecken jene, die wir in uns und vor uns kennen. Die uns gefrieren lassen, weil wir ihre Übermacht, ihren Zorn, ihre Wucht und Kompromisslosigkeit kennen. Und weil wir sie akzeptiert haben.

Ich lege ja normalerweise Wert darauf, dass die Kreaturen hier angesichts iherer Brutalität, ihrer Dominanz oder schlich ihrer schieren Größe respektiert werden. Dass sie genau keine moralische/ethische Bewertung erfahren. Sie sind DAS MONSTER und fertig. Sollte man so auch mit dem Monsterteil der eigenen Persönlichkeit umgehen? Sollte man ihn akzeptieren, ihn anerkennen? Vielleicht. Vielleicht hinkt der Vergleich auch, denn einen Unterschied gibt es zwischen Keiser Ghidorah, Shai-Hulud und co und uns: So lange wir uns als gesamte Person nicht als Monster verstehen, hat ihre Macht nicht den Status der bedingungslosen Akzeptanz erreicht. Wir sind ihrer Herr und nicht umgekehrt. So lange können wir es sein, die gestalten, nicht die Giganten, die zerstören.

Im übrigen startet das Jahr 2015 mit einer reichhaltigen Ausbeute an Referenzmaterial, mit dem sich die geneigten Lesenden gern in Vergleich setzten können, um ihren aktuellen Vermonsterungsstatus abzugleichen. Wie immer im angeschlossenen Wiki.

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