06.12.2013 12:01:35

monsterhafte Naturverknüpfung in die Vergangenheit (Monster des Monats Dezember 2013)

Ich habe heute im Deutschlandfunk den Büchermarkt gehört. Unter anderem wurde dort das Buch 'Esel' besprochen. Ein Buch, das im berliner Mathhes & Seitz-Verlag in der Reihe 'Naturkunden' erschienen ist.

Wie immer meist im DLF (Denis Schecks Verriss von Therézia Moras 'Ungeheuer' konnte ich nur zu gut nachvollziehen, ohne das Buch gelesen zu haben.), war auch diese Buchbesprechung dermaßen lecker aufbereitet, dass ich (als höchst Buchleseunfähiger) in einem Anflug von lektoralem Appetit auf der Stelle willens war, mich in diese Bücherreihe hineinzulesen. Um so mehr, als dass dort weiterhin eine, wohl ähnlich offene Liebeserklärung unter dem Titel 'Krähen' zu eben jenen erschienen ist und diese Reihe darüber hinaus mit einer hohen, individuellen buchhandwerklichen Gestaltungsqualität glänzen kann.

Krähen werden ja in absehbarer Zeit die Weltherrschaft an sich reißen. Ich weiß nicht, ob ich das hier schon mal erwähnt habe, aber davon bin ich überzeugt. Nicht erst, seit ich neulich wieder von einer diesbezüglichen Untersuchung gehört habe (Ich nehme mal an, ebenfalls in meiner News-Filterblase DLF, Forschung und Technik), immer wieder werden die besonderen Begabungen dieser Vögel beschrieben, ohne, dass jemand mal alle Aspekte zusammen fasst und zu dem einzig logischen Schluss kommt: Wir können im Prinzip einpacken.

Wie dem auch sei, ich erwartete jedenfalls, mich auch von diesem Buch in die illusorisch-romatellektuelle Phantasie vom stilvoll lesenden Dings verführen zu lassen bis 'plumps' - ein Name auftauchte: Zden?k Burian.

Nie gehört! Aber, das Bild auf dem Cover. Der Iguanodon. Also, ich meine DER Iguanodon. Ein Klassiker der Dinosaurierillustartion. Aha. 'Die verlorenen Welten des Zden?k Burian' steht darüber. Stilecht in der Typografie billiger Science-Fiction-Taschenromanhefte der Sechziger und Siebziger. Zden?k Burian. Mal googlen.

Krass. Dieser Mann hat meine Jugend bebildert! Tage, Wochen, JAHRE!!! habe ich in den Bildern von ihm verbracht. Egal, ob in den WAS-IST-WAS-Sammelbänden des Tessloff Verlags oder den dutzend anderen Dinosaurier-, Ur- und Vorzeitbüchern und -magazinen (Ich erinnere mich noch gut, an das P.M. Cover mit dem Tarbosaurus.) - ich kenne vermutlich die meisten seiner Grafiken und Malereien. Gut, die Mammuts und besonders die Urmenschen fand ich schon damals nur so mäßig ispirierend. Aber die Dinos von Zden?k Burian sind meine Klassiker im klassischsten Sinn.

Und wie das so ist mit Kindheits- und Jugendklassikern kleben an diesen Erinnerungen nicht nur wache Gedanken. Sie trangen auch allerlei Gerüche, Geschmäcker, besondere Lichtsituationen und diese verwunschenen, surrealen Eindrücke mit sich, die zu abgedreht sind, um wirklich so passiert zu sein, bei denen man sich aber trotzdem absolut sicher ist, dass sie geschehen sind. Genauso wie ich mir sicher bin, in den Bildern von Burian spazieren gegangen zu sein, die Bedrohung und Gewaltigkeit der Kreaturen hautnah gespürt zu haben.

Darüber hinaus waren seine Abbildungen Vorlage für unzählige spätere Darstellungen der Urzeitechsen. Von der Wander-Dinoausstellung, die vor ein paar Jahren in Dresden war über die Szenen und Plastiken im saarländischen Prähistorium (beispielsweise der/die/das Demetrodon) und im sächsichen Kleinwelka (nachfolgendes Bild) bis hin zu Adaptionen in Filmen, Burian hat eine Menge Gehirne angeregt. Und selbst wenn man berücksichtig, dass sich auch seine Abbildungen an den damaligen paläontologischen Funden, Rekonstruktionen und Theorien des wissenschaftlichen state of the art orientierten - er hat den vielen dieser Interpretation von gefundenen Knochenfragmenten erst eine Visualität gegeben. Diese 'Übersetzungen' von Daten und Fakten in allgemeinverständliche Bilder dürften einen maßgeblichen Anteil an der heutigen Popularität der Riesenechsen haben.

Es erfasst mich durchaus so etwas wie nostalgische Rührung, wenn ich über eines dieser Bilder stolpere oder eine Weiterentwicklung oder ein Zitat eines Zden?k Burian Werkes finde. Vieles davon ist heute überholt (das ganz oben rechts ist ein Tyrannosaurus Rex ;), entspricht nicht mehr dem Stand der Erkenntnisse, aber mit ihm haben die Dinosaurier in der Weltwahrnemung laufen gelernt.

Unnötig noch zu erwähnen, dass Vögel (und somit auch Krähen) als evolutionäre Nachfahren der Saurier gelten, oder?

Was ich eigentlich sagen will: Die Faszination ist nicht verschwunden. Die Monsterjagd geht weiter!

Diskussion

Geben Sie Ihren Kommentar ein: