09.08.2013 09:41:54

Pacific Rim ist ein schlechter Film.

Quelle: pacificrim-movie.net

SPOILERWARNUNG!

Gut, was war zu erwarten? Der Amerikaner macht einen Mega-Monster-Film. Er klaut die Idee dazu in Japan und verpatzt doch die entscheidenden zwei, drei Punkte, die aus Hagabunga eine Geschichte mit Seele machen. Das war 1992 und hieß (warum auch immer) 'Godzilla (1998)', hatte es doch mit dem japanischen 'König aller Monster' nichts mehr gemein. Kläglich und unköniglich starben am Ende die Kreatur und die Idee hinter ihr. Heute, 2013, erzählt der Amerikaner Guillermo del Toro die gleiche Story. Und er zählt sie erneut falsch nach. Er hat mittlerweile noch ein wenig mehr aus Japan gesehen, als die Macher von 'Zilla', aber noch weniger verstanden.

Pacific Rim ist ein schlecht zusammengerührter Brei aus Neon Genesis Evangelion, der japanischen Godzilla-Reihe (bzw. ähnlichen Kaiju-Filmen) und Armageddon. Wobei die ersten beiden Zutaten nur die klebrige Kulisse für die schon tausend mal erzählte Heroengeschichte mit ihren selbstlosen Helden, dem sich findenden Pärchen, den nützlichen Idioten, dem bisschen unglaubwürdigen Realhumor sind. Ganz so, als ginge es darum, Bewertungssternchen für die IMDB möglicht gleichmäßig über alle Kategorien zu verteilen. Obama sprach neulich im Kontext des Snowden-Asyls davon, dass die russische Regierung ab und an noch in die Denk- und Verhaltensmuster des kalten Krieges verfielen. Nun, Hollywood bedient hier Klischees in einem Maße, wie es verstaubter, schwarz-weißer, uninspirierter nicht geht. Von allem ein bisschen. Nichts richtig. Und das Ende glasklar.

Stigmatismen soweit das Auge reicht. Pacific Rim mangelt es schlicht an Arsch in der Hose. Wie viele Erzählperspektiven hätte es gegeben, aus denen man heraus diese Geschichte hätte besser, eigenständiger, imposanter, staunender erzählen können? Was macht das neuronale Pilotieren eins 60, 80 Meter hohen, humanoiden Roboters mit dem Steuernden? Welche Gedankenmodelle hätte man einfließen lassen können, in das Verschmelzen von Mensch und Maschine? Wie unterschiedlich gehen zwei Piloten mit einem zwar behaupteten, aber nicht erkennbaren Erinnerungs-Gefühlsmischmasch um, der gleichzeitig in beiden Köpfen abläuft, während sie hunderte Tonnen Stahl steuern und tausende Menschen retten? Diese einzige eigene Idee des Films (zwei (einmal sogar drei, weil wegen kreativ uns so…) Piloten steuern einen Roboter), hat keine Bedeutung für die Handlung und wirkt als Vehikel um ein Männlein und ein Weiblein zusammenzuknüppern ebenso hilflos, wie die zweite Szene in der die Riesenmaschine millimetergenau vor einem Schreibtisch-Klick-Klack-Dings zum Stoppen kommt (aus der 3D-optimiert denkbar schlechtesten Perspektive noch dazu). Bei Neon Genesis Evangelion heißt die Organisation, die das Evangelionprogramm leitet 'Seele'. Man hätte merken können, woran es fehlt.

Das ganz zu Beginn kurz erwähnte, amerikanische Militär sowie die weltpolitischen Gremien spielen im weiteren Verlauf - obwohl angeblich über Finanzmittel entscheidend - keine weitere Rolle und lassen ein paar hundert Hobbybastler ungestört mit wolkenkratzerhohen Ungetümen herumspielen. Die gerettete Bevölkerung verhält sich zu alledem genau garnicht. Die traumartig eingeführten, erdbedrohenden Aliens haben einzig den Zweck, eine Kausalbrücke herbeizubitten, die, sofort nachdem sie schemenhaft im Nebel erkennbar wird, analog-nuklear zu sprengen ist. Klar, wenn Riesenmonster auf die Erde kommen und uns alle vernichten wollen, sollte man nicht lange zögern, sondern handeln. Aber nur mal so ganz kurz eine Überlegung anzustellen, was passieren könnte, wenn man einen Dimensiontunnel sprengt (und ob das überhaupt geht) wäre doch vielleicht angemessen. (Ganz abgesehen davon, dass raumzeitreisende Aliens einzig einen DNA-Scanner zur Sicherung ihrer Dimensionsportale einbauen, durch die man dann ganz einfach durch Einwickeln in einen Monsterkadaver (und auf dem Rückweg sogar ganz ohne Versteckspiel) passieren und Atommüll transportieren kann. Aber Science-Fiction darf das ja prinzipiell, s.u.)

Garnichts zu den Monstern? Nun, die Monster sind o.k. Sie sind groß, gemein, zertrampeln und zerdeppern alles. Sie tauchen plötzlich auf, scheinen trotzdem eine gewisse, logische Ähnlichkeit aufzuweisen. Sie agieren im Vergleich zu den Robotern natürlich, wie Lebewesen eben. Sie entwickeln sich weiter (auch wenn das Flügelentwickeln auffällig nach, bei 'Evolution' oder 'Tremors 3' entlehnt, aussieht). Dennoch: Sie werden alle besiegt. Keines, das kaijuesk einfach mal wieder verschwinden und woanders auftauchen würde. Keines, das einfach (zumindest erstmal) nicht klein zu kriegen wäre. Ein paar Hiebe mit der anlogen, raketengetriebenen Eisenfaust und bums, sind sie alle Matsch. Zwar gut animierter beziehungsweise modellierter Matsch, aber von der hoffnungsraubenden Kompromisslosigkeit, die ihre Vorbilder aufweisen, ist nicht sehen. Und wie so viele klägliche Versuche (das entlehnte Rambo-Zitat "Es ist nicht mein Krieg/Kampf"), wirken dann auch die Kaiju-Parasiten, die allesamt gleich aussehen. Keine Varianz. Keine erkennbare, organische Logik. Hat del Toro halt bei Cloverfield gesehen und sich irgendwie daran erinnert. (Leider bin ich mir ziemlich sicher, dass J. J. Abrams mittlerweile Pacific Rim ähnlich inszenieren würde, wie del Toro.) Scheinbar ohne es zu verstehen oder ausreichend im Unverständnis zu lassen, damit sich daran Phantasien heften könnten. Das Creaturedesign der Kaijus ist - wie es bei Monstern immer ist - Geschmackssache. Hier wäre sicherlich auch noch Luft nach oben gewesen, aber für einen guten Blockbuster wären auch die zur Verfügung stehenden Untiere voll ausreichend gewesen. Was hätte das für ein schönes Spektakel ergeben, hätten Kaijus einfach friedlich mit Robotern gekempelt.

Auf die kleineren kausalen und logischen Fehler, will ich nicht eingehen. Die haben alle Sci-Fi-Filme. Del Toro hätte es sich so einfach machen können: Einen ordentlichen Haudrauf-Mega-Actionfilm abliefern, ohne Tiefang, ohne Hintergrund. Er hätte sich viel Mühe geben können und all das Faszinierende aus zwei großartigen Sci-Fi-Universen mit zwei, drei wirklichen Charakteren stringent oder auch rätselhaft erzählen können. Er hat den Mittelweg gewählt und der ist weniger als ein fauler Kompromiss geworden.

Vielleicht lag es ja an der hohen Erwartung, was diesen Film anging (immerhin hat er selbst in der Besprechung beim DLF ein unverhofft vielversprechendes 'akzeptabel') bekommen. Vielleicht lag es an der ungewollten, ungewohnten und unnötigen 3D Aufführung, in der ich den Film sehen musste (im Vergleich zum Trailer des zweiten 'Hobbit'-Teils, gab es in Pacific Rim gefühlt KEINE spezielle 3D-Szene). Vielleicht ist es das Zuviel an zusammengereimter Information der hauptsächlichen Vorlagen zu Pacific Rim, die mir einen schlichten Genuss nicht ermöglichten. Aber vielleicht ist der Film auch einfach schlecht, weil … ich meine hey, Riesenmonster kämpfen gegen Riesenkampfroboter! Was kann man da schon falsch machen?

Leider eine ganze Menge wie sich zeigt.

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