17.02.2013 17:15:15

Ein emotional-sozialer Impact - Das wärs!

Gut. Es scheint sich niemand zu finden. Also muss ich das wohl machen. Anscheinend gibt es keinen in Verantwortung befindlichen Politik-, Würden-, nicht mal einen Wasserträger, dem klar wäre, welche Chance die Grandiosität des Augenblicks gerade darstellt. Ich meine - wir haben gerade Armageddon überlebt! Ist euch das klar?!

Für sich allein, wäre weder der erwartungsgemäß vorbeirauschende Asteroid 2012 DA 14, noch der Umstand, dass es in Russland eine Meteoritenexplosion irgendwo zwischen der Strato- und Mesosphäre gegeben hat, ein ausreichendes Ereignis, um die aktuelle Stimmung zu erzeugen. Aber in diesem Zusammentreffen der (zumindest nach bisherigem Kenntnisstand) nicht zusammengehörigen Phänomene, potenziert sich deren 'Impact' doch gewaltig.

Im Prinzip zeigte der 'kleine' über dem Ural, was so geht in Sachen kosmischer Megatonnen. Ereignisse, die unsere Vorstellungskraft (meine zumindest) um das Vielfache der Hiroschima-Bombe übersteigen. Können Sie sich noch an die Hiroschima-Bombe erinnern? Das war doch ein Ding damals, wissen Sie noch? 2012 DA 14 wäre tausend- oder vielleicht sogar trizillionenmal schlimmern geworden. Schlimmer als die doppelte Größe des Saarlandes. Nicht ganz so schlimm, wie bei den Dinos, aber wirklich, wirklich übel.

Ich hoffe es wird klar, dass die 'wirkliche' Dimension eines solchen Ereignisses nicht von Belang ist. Von Belang ist, dass wir dann alle zusammen am Arsch wären. Jedes Einzelne von uns wärde direkt oder wesentlich geringer als die üblichen fünf bis sechs Handschläge von einem solchen Treffer betroffen. Und wissen Sie was? Den (vermutlich) letzten Asteroiden, der so etwas hätte auslösen können, den haben wir entdeckt, als er schon wieder wegflog. Es hätte nur KAWUMM!!! gemacht. Vielleicht haben wir ein paar danach auch gar nicht mitbekommen.

Und was bedeutet das? Ich kapiere nicht, wieso sich keiner von den 'Führern' dieses Planeten, kein Gauck, kein Ratzinger, kein Obama, keine Merkel, kein ... ich kenne kaum jemanden, sich hinstellt uns sagt: "Wow! Kinners, mir geht der Arsch auf Grundeis. Wir haben da echt Schwein gehabt. Wollen wir nicht vielleicht mit dem ganzen Kindergarten und Heckmeck zwischen uns, zwischen Ländern und Konzernen und Urheberrechten und Zugangsbeschränkungen aufhören und versuchen irgendwie zusammen auf diesem Planeten klar zu kommen so lange wir die Möglichkeit dazu haben?"

Das würde ich mir wünschen. Ohne Pathos, ohne patriotisches Gehabe, ohne Plan, wie das aussehen kann, ohne Gottesverbrämung (selbst beim Spiegel geht´s ja nicht ohne).

Gut, es kann sein, dass ich, aufgrund semi-mystischer, haushaltlicher Verstrickung in dieser Angelegenheit (mir wurde einen Tag zuvor quasicineastisch die ganze Sache prophezeit und seither traue ich mich nicht mehr Filme mit großen Monstern zu schauen - besser für euch) nicht mehr objektiv darüber urteilen kann. Das ich hin und wieder solche mittleren, romantischen (ja, auch weltumspannend romantischen) Ambitionen habe, sollte ja allen, die hier schon länger lesen, bekannt sein. Aber mal im Ernst: Ist es schwer das nachzuvollziehen? Ist ein Putin, eine Hollande, etc. wirklich soweit der Welt, dem Alltäglichen entrückt, dass sie sich durch solche Ereignisse nicht mehr beeindrucken lassen? Ist es vielleicht sogar Teil der von ihnen erwarteten Professionalität, sich in diesen Momenten nicht 'beeindrucken' zu lassen?

Ehrlich gesagt, fände ich keine dieser Vorstellungen angenehm. Aber sie würden wohl alle dienen, die generelle Empathielosigkeit von Politik und politischen Ambitionen zu erklären.

Wer es noch nicht getan hat, sollte sich auf dem Internetvideodienst seines geringsten Misstrauens die Handyfilme aus Russland anschauen. Und sei es nur, weil ihr im Zweifels- und Ernstfall einfach nichts davon mitbekommen werdet und so wenigsten einen kleinen Eindruck von so einem Einschlag bekommt. Keine Ahnung, ob der Knall von einem 400-Meter-Asteroiden um den ganzen Globus zu hören sein wird. Vielleicht werdet ihr nur merken, dass die Telefone nicht gehen, das Internet nicht, Sirenen dafür, Ratlosigkeit, Gerüchte, Stromausfall, Hektik, Panik. Und während alledem wird es irgendwie immer diesiger und langsam dunkler von Tag zu Tag.

Wie cool wäre es, wenn wir es vorher schaffen würden, uns darüber klar zu sein, dass wir hier im selben Boot sitzen. Alle. Wir werden dadurch nichts ändern. Es wird keinen Bruce Willis geben, der dahin fliegt und die Sache (mit der nötigen Kurz-Vor-Knapp-Spannung) richtet. Wir werden dann einfach alle sterben. Die einen ein bisschen früher die anderen etwas später - und ich bin mir nicht sicher, was davon wünschenswerter ist - aber es wird uns alle (be-)treffen. Jedes kleine, komplizierte Menschenleben.

Also, wenn sich schon keines der großen, berühmten, wichtigen dieser Ansprache annimmt, dann müsst ihr das eben übernehmen. Alle die das hier gelesen haben, müssen mit mindestens einer anderen Person darüber sprechen. Sie "faszinieren, begeistern und einladen" (wie Gerald Hüther das so schön zu sagen pflegt) sich als Teil einer Spezies auf einem Planeten zu begreifen, die früher oder später der galaktischen Physik zum Opfer fallen wird und bis dahin zu entscheiden hat, wie sie miteinander umgehen will.

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