18.09.2012 23:41:20

Wie 'Wickie und die starken Männer' nur für Erwachsene (The Expendables 2)

Hab ich heute gesehen. The Expendables 2. Ein Fest. (Spoileralarm!)

Gut, man kann dem Film vorwerfen, dass er im ersten Drittel ein paar, generell cineastisch gern beanstandete Längen hat. Man kann sich an kleinen Ungereimtheiten stoßen, wie dass die Jetskies zwar in das Wasserflugzeug reinfahren und durch die Heckklappen auch wieder abgeworfen werden können, diese Heckklappe aber im nächsten Schnitt von außen nicht nur nicht offen, sonder gernicht zu sehen ist. Man kann sich daran stören, dass das Vergeltungsmotiv (besonders das persönliche von Barney "The Schizo" Ross aka Silvester Stallone) ein wenig zu weit ausgebaut wird, etwas zu tief und auch zu klischeehaft inszeniert wird. (Ob dieser jungsche Scharfschütze nun in Afghanistan war oder nicht, ist wurscht. Er wird getötet und das reicht um ihn zu rächen.)Aber:

Der Film ist großartiges Actionkino vom Feinsten. Viel Geballer, viel Explosion (Ich glaube nicht ganz so viel wie im ersten Teil, aber ausreichend Kawumm. Definitv mehr als bei Wickie.). Es gibt gute Kampfszenen, schnelle Schnitte, die in den entscheidenden Momeneten das Tempo angemessen beschläunigen, wie man es erwartet und wie man aber auch nicht enttäuscht wird. Es gibt Messer, Kanonen, große Kanonen, noch größere Knaonen, sogar Panzer ;) Alles da, alles prima. Aber auch das wäre kein ausreichender Grund, eine Rezension oder meine Meinung zu dem Film aufzuschreiben.

Was den Film wirklich groß macht, ist die Mischung aus gutem, handlungsorientiertem Hau-Drauf-Film und der entspannten - aber immer glaubhaften - Selbstironie der Protagonisten. Nicht nur, dass ein Chuck Norris einen Chuck Norris Witz erzählt (was ich schon sehr groß finde), auch dass Arnold Schwarzenegger auf den Anschiss Bruce Willis, wie oft er denn noch 'wiederkommen' wolle, mit einem 'Yippie-Ya-Yeah Schweinebacke' antwortet. Dolph Lundgren ist nicht mehr der dumme Kaputtmach aus den achzigern und aus dem ersten Teil. Er ist wiederauferstanden und ein verkapptes Genie. Jet Li kämpft in einer Szene mit zwei Pfannen in einer Küche und ich weiß nicht was die coolere Interpretation wäre, eine Homage an Chacky Chan oder an Bud Spencer darin zu erkennen.

Den gesameten Film hindurch erwecken die alten Herren den Eindruck - und wie gesagt, für mich ist er glaubhaft - mit einem breiten Grinsen auf Karriere, auf Genre, auf einen guten Teil ihrer Identität und ihres Lebens zurückzublicken. Sie stehen soweit über den Dingen, dass sie sich nicht schämen für Verunglimpfungen und Schubladen in denen sie stecken. Sie öffnen ihre Schubladen weit, grinsen und winken sich zu, während einer nach dem anderen eine Anekdote von früher erzählt, die alle zu schallendem Lachen hinreißt. Jede Geschichte negiert ein wenig die Unterschiede zwischen den Charakteren, negiert die Seitenwände der Schubladen und den Raum dazwischen. Bis sich am Ende alle einig sind, dass da nicht viel Unterschied ist. Und darauf wird nochmal wild einer losgeballert ("Schnapp dir die Knarre und schieß auf irgendwas.").

Es ist eine aus dem Lebensalter erwachsende Erhabenheit, die sich in The Expendables 2 zeigt. Natürlich könnte man jedem der Herren vorwerfen, dass es ihm mit seinem Status und seinem Ruhm und Ruf ein leichtes ist, diese Position einzunehmen. Ich denke aber, dass es (unter anderem in Hollywood, aber auch ganz generell) eine echte Leistung ist, auf sein Leben, auf das was man gemacht hat, für das man belächelt oder gescholten wurde, auf die eine Sache, mit der man immer wieder assoziiert wird, mit einem Augenzwinkern zurückzuschauen zu können. Es erweckt den Eindruck von Seelenfrieden, von zur Ruhe kommen, von weltoffener Unnahrbarkeit.

Und selbst, wenn das alles nur eine Interpretation in meinem Kopf ist, so haben Stallone und co. es immerhin geschafft, mir diesen Eindruck über gut eindreiviertel Stunden stimmig zu vermitteln und auf den Punkt einzuimpfen. Selbst das würde mir für eine sehr positive Bewertung reichen, auch wenn es nur der Job wäre, den sie seit Jahren - oft von vielen als unfähig oder minderwertig gestempelt - machen. Dieses Mal hätten sie ihn gut gemacht. Aber sowas spielt man nicht nur. Bin ich mir ziemlich sicher.

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