08.07.2012 11:38:20

Energieautonomie (part II) - und die sich individualisierende Gesellschaft.

Es ist ja immer ein wenig schwierig in euphorisierten Zuständen Kritik, Bedenken und Skepsis adäquat zu berücksichtigen. Ich hatte neulich einige Überlegungen zur (alternativen - vielleicht sollte man sie besser als 'alternativlose' bezeichnen) Energieversorgung geschrieben. In der Folge habe ich mich (mal wieder) mit Solarstromnutzung im konkreten auseinandergesetzt, also Klein- und Kleinstanlagen und -anwendungen, die konkrete Versogungsbedarfe abdecken. Etwa das Laden eines Handys oder der Betrieb eines Echolotes beim Angeln.

(Ich halte mittlerweile auch die Verwendung einer vertikalen Windkraftanalage für eine gute Ergänzung zu einer Photovoltaikselbstversorgung. Die kann man sich sogar komplett selbst bauen, was insbesondere beim Kaputtgehen den Vorteil hat, dass man weiß, wie das Ding funktioniert und es reparieren kann.)

Ein Hauptproblem im Kleinen wie im Großen ist dabei nach wie vor die Speichermöglichkeit. Eine auf einen 4-Personenhaushalt konzipierte Speicherlösung für Solarstrom kostet derzeit zwischen 7.000 bis 20.000 Euro, wobei hier noch die Haltbarkeit der Akkus (die Anzahl der Ladezyklen) berücksichtigt werden muss. (Zum Vergleich die Solarpanels für ein Einfamilienhaus kosten ca. 10.000 bis 15.000 Euro incl. Montage.) Daher sind unbedingt die Forderugen der Piratenpartei nach konsequenter Speicherfoschung zu unterstützen sind.

Das hilft aber momentan noch nicht sehr viel weiter. Im Moment ist man erstmal auf Batterien (oder Direktverbrauch) angewiesen. Aber prinzipiell finde ich es sowieso nur erstrebenswert in diese Technologien zu inverstieren, wenn sie absehbar zu einer Energieautonomie führen. Also nix mit einspeisen und dann wieder rückvergüten. Unter anderem halte ich es deshalb auch für wichtig, Grundfunktionen und Prinzipien dieser Technik zu kennen. Auch das ist für mich Teil der Autonomie, dass ich bei auftretenden Störungen das ganze selbst wieder zum Laufen bringen kann.

Eine Idee, wie man Energie noch speichern könnte (zumindest für Eigenheimbesitzer mit Platz): Eine separate Garage oder Schuppen schwimmend auf Stelzen oder so zu bauen, sodass überschüssige Energie durch Hochpumpen der Garage (Warum nicht des ganzen Hauses?) gespeichert und bei Bedarf wieder abgesenkt werden kann. Bei der Garage hätte das noch den Vorteil, dass abends das zusätzliche Gewicht des Autos, den Druck erhöhen würde und zu einer Effizienzsteigerung führen könnte, wenn der Strom gebraucht würde. Tagsüber würde die leere Garage nach oben gepumpt. (Klar, die Energie das Auto zur Garage hinauf zu bugsieren müsste auch irgendwo herkommen.) Ich weiß nicht, ob sowas realistisch oder ökonomisch sinnvoll ist, aber ich verbiete mir zunächst einmal Denkverbote auf dem Gebiet.

Deshalb will ich auch noch einen anderen Aspekt ansprechen, der mir auffällig erscheint. Wieso der Anspruch der Solarwirtschaft ohnehin nicht von Anfang an war, die Selbstversorgung durch Photovoltaik in den Vordergrund zu stellen, war mir nie klar. Die bisherigen Nutzungskonzepte sehen ja immer dieses Einspeisen ins Stromnetz und eine Rückvergütung vor. Die direkten Eigennutzung scheint mir dabei irgendwie verloren zu gehen. Dabei braucht man selbst bei kleinen Solareinheiten lediglich einen Spannungswandler, um aus (in Batterien zwischengespeichertem Solarstrom) universellen 220 Volt Strom zu machen. (Technisch Versiertere mögen mich hier korrigieren, sollte das komplizierter sein, ich lerne das mit dem Strom erst noch. ;) Es stellt sich also die Frage, warum der Direktverbrauch und die zwischengespeicherte Selbstversorgung so stiefkindlich behandelt werden, wenn mittlerweile sogar Bäckereien direkt durch Solarstrom betrieben werden können? Klar auch hier ist das Speicherproblem vorhanden, mir scheint aber, dass es (auch fördertechnisch) andere Verhinderungsmechanismen gibt.

<weltverschwörung>Unter anderem könnte man spekulieren, dass es kein Interesse des Stromoligopols in Deutschland gibt, das Verbraucher ihren eigenen Strom produzieren und verbrauchen. Dies, durch aktuelle Energiepolitik gedeckt (bspw. Trassenbau für Windkraft, Reduzierung der Einspeisevergütung, etc. - immerhin haben auch PolitkerInnen ein interesse nach ihrer politischen Karriere einen Aufsichtsratsposten zu beziehen), würde teilweise erklären, warum wir diesem geilen Zustand der Energieautonomie nicht schneller näher kommen.</weltverschwörung>

Aber ich will hier garnicht so rumnörgeln. Ich sehe - und das erstaunt mich selbst ein wenig - dass wir gerade dabei sind ein entscheidendes Problem der Moderne in den Griff zu bekommen. Vermutlich mittelfristig sogar so, dass jedes sich seinen Strom beschaffen kann, wie es möchte. Autonom, einspeisend, kaufend, aus Wind, aus Photovoltaik, aus Wasserkraft. Ich will noch einen anderen Gedanken mit einbringen, denn er hat aus meiner Sicht damit zu tun. Der sogenannte Wandel der Gesellschaft: Die Individualisierung.

Das ist es nämlich, worauf es hinausläuft, wenn man sich diesen Energiewandel gesamtgesellschaftlich anschaut. Die Gesellschaft wird kleinteiliger und eigenverantwortlicher. Man muss sich nicht mehr seine Nische suchen oder gar hart erkämpfen. Es gibt sie schon. Und wenn nicht, findet es niemand mehr auffällig, wenn man sie sich schafft oder einfordert. Der Staat ist nicht mehr der 'Vorgeber' - er wird mehr und mehr zum 'Ausstatter'. Fehlt noch, das bedingungslose Grundeinkommen zu erwähnen. Denn auch dessen Einführung (über die mittlerweile immerhin medial diskutiert wird) würde in einem unvorstellbaren Maß zu einem Individualisierungsschub führen, der (da gebe ich den Kritikern recht) zu nicht vorstellbaren Konsequenzen führen würde.

Ich denke aber, dass es in Summe nicht zu einer Verschlechterung, sondern zu einer Entspannung kommen würde. Nicht nur bei ALG II-Beziehenden. Stell Dir vor, Du hast deine eigene Energe und Du hast monatlich 1.000 Euro zur Verfgung. Einfach so. Ohne Zutun. Stells Dir erstmal vor, nicht gleich verwerfen. Was man da alleine an Zeit hätte, Musik zu machen oder zu malen oder zu bloggen, Monster zu jagen, mit den Kindern zu spielen, Fahrrad zu fahren. Angeln zu gehen.

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