10.06.2012 14:18:22

Es scheint zwar noch niemandem aufgefallen zu sein, aber wir haben das Energieproblem gelöst!

Ich stolpere seit ein paar Tagen über Links, Podcast, Texte und in Gespräche, die über kurz oder lang bei Thema Energie landen. Angefangen hat das alles mit einer kurzen Meldung, die ich auf dradio gehört habe. Am Pfingstwochenende hätten die Solaranlagen in Deutschland einen neuen Leistungsrekord aufgestellt und den Strom von etwa 20 AtomKernkraftwerken produziert.

What?

Es gibt aktuell in Deutschland 37 produzierende Kernkraftwerke, die eine Gesamtleistung von knapp 28 Terrawatt produzieren. Die Solaranlagen in Deutschland haben am Pfingstwochenende 20 Terrawatt erreicht. Wohl gemerkt in der Spitze, über ein paar Stunden, während es warm war und die meisten Leute relativ stromunhungrig in Parks oder vor Eisdielen herumdümpelten und auch die meisten Firmen werden zu der Zeit nicht so wahnsinnig an Strom interessiert gewesen sein. Und dennoch: Ist das nicht Wahnsinn?

Wir diskutieren derzeit, wie wir den Strom, der - sauber, günstig, wartungsarm - in rauhen Mengen 'geerntet' wird, verteilen, speichern, verkaufen und mit bestehenden Produktionsverfahren in Einklang gebracht bringen können. Wir befinden uns in der Phase der Umverteilungskämpfe und der Besitzstandwahrungsreflexe. In der Phase in der die Lösung einiger Teilaspekte (vor allem die der Speicherung) sehr schnell zu einem kompletten Umbruch des Energiemarktes führen kann. Es gibt viele kühne Ideen, aber auch total plausibel klingende Vorschläge, wie wir diese Probleme angehen können. Was wir testen müssen, was entwickeln.

Es ist heute möglich, mit 70.000 Euro komplett stromautark zu werden (ziemlich zum Schluss). Wir sollten die Sache mit den Kanälen mal ausprobieren, anstatt nur auf Pumpspeicherwerke zu setzen und in ihnen zu denken (die müssen nicht notwendiger Weise nur von Berg zu Tal errichtet werden). Man kann auch andere Sachen mit Strom nach oben befördern, die dann beim Runterkommen wieder Strom spenden. Beispielsweise ein schwerer Stein (leider keine Quelle, soll es aber geben). Oder Strom in Salz oder Beton speichern. Oder in Schwung. Es gibt viele Möglichkeiten Strom zu speichern, die meisten müssen halt mal in den entsprechenden Dimensionen getestet werden.

Natürlich sind da noch ungelöste Probleme, aber wenn ich mir vorstelle, dass obiger Rekord allein durch Photovoltaikanlagen zustande kam, von denen die meisten zwischen 5-10 Jahren alt sein dürften (und dementsprechend 'veraltete' Wirkungsgrade erzielen)und diese gleichzeitig eher dezentral in Deutschland verteilt sind, dann denke ich, wäre mit dem heutigen Technikstand und weiteren entsprechenden Ausbauförderprogrammen ein Großteil des Energiebedarfs allein hierdurch zu decken. Dass wir unser Solar-Know-How gerade kaputtmachen ist dabei natürlich sehr, sehr ärgerlich, aber vielleicht haben sich diese Firmen auch einfach zu sehr auf das Wohlwollen der Politik verlassen. Diese sieht ja auch jetzt wieder eine sehr monodirektionale Umverteilungslösung von Bedarf und Nachfrage vor, wo wir ja alle wissen, dass man einer dicken Leitung in puncto Flexibilität, Ausfallsicherheit, Mitteleinsatz und Forschungsoutput so schnell nichts vormacht. Kennt man ja von diesem ... äh ... Internet.

Vielleicht muss es halt an den Planungsabsichten und -vorhaben von oben vorbei zu einer autarken und kleinteiligen Selbstorganisation in Sachen Strom kommen. Wir sind eben nicht nur in dem Prozess, die Vesorgung mit Strom umzustrukturieren. Parallel dazu läuft ja auch der Prozess die Gesellschaft umzustrukturieren. Vermutlich zwangsläufig, denn Energie ist mehr und mehr das 'Medium' der Bedürfnisbefriedigung schlechthin. Und die effektivste (hinischtlich Kosten-Nutzen-Rechnung) Bedürfnisbefriedigung ist die kleinteilige beim und für das Individuum direkt. Hier werden auch Neuereung wie beispielsweise die 3D-Drucker ihren Anteil haben. Denn wenn ich mir genau die Bauteile und Alltagsgegenstände anfertige, die ich auch haben will, bedarf es keiner industriellen Massen(über)produktion mehr.

Was die Gesellschaft dabei auch lernt ist, dass sich die Verwaltung, Planung und Organisation von Bedrürfnisbefriedigung immer weiter zum Einzelnen hin verschiebt. Noch kann eine Bundesregierung so tun, als versorge sie die Menschen da draußen mit dem was sie benötigen. Sie wird in den nächsten 20 Jahren lernen, dass dem nicht mehr so ist. Dass es Unternehmen geben wird, die nicht nur Häuser, sondern Energie- und damit Bedürfnisautarkheit verkaufen. Und da ist es dann egal, ob jemand geplant hat, dass der Windstrom von den Off-Shore-Anlagen nach Bayern kommt oder nicht, denn die Leute in Bayern haben dann schon ihren eigenen Strom. Die Unternehmen übrgens auch. Ich könnte mir vorstellen, dass die aktuelle Pro-Energiegroßversorgerkonzern-Politik diesen Prozess sogar beschleunigt.

Natürlich wird nicht jeder zum kompletten, situationsgenauen Selbstversorger werden. Die Frage wäre ja auch, wie Nachaltig ein Wirtschaftszweig aufgestellt ist, der ein Produkt genau einmal verkauft. Da wird sich sicherlich einges drum herum an Service und Zusatzfeatures entwickeln. Aber wie man es (oder es sich) auch dreht und wendet, die technischen Möglichkeiten zur ausreichenden Energieversorgung mit 'Öko'-Strom beziehungsweise die Ideen für Problemlösungen sind ausreichend vorhanden und praktikabel. Offensichtlich wird sich aber die 'Energiewende' nicht von oben herab sondern durch kleine, sich fortpflanzende Individuallösungen weiterentwickeln. Auch kommen dadurch ohnehin immer nochmal ganz neue Idee dazu. Inwieweit dies einer evolutionären Rückübertragung einer Struktur (Internet) auf ein, diese versorgendes System (Strom) bedeutet, lohnte sich eventuell in einem anderen Artikel zu diskutieren. Der hätte aber auch noch ein, zwei Jahre Zeit.

Noch angemerkt: Dieser Text soll übrigens kein Arument gegen Windkraftanlagen sein. Die brauchen wir natürlich genauso. Allein schon, weil Wind ja auch mal nachts weht und so. Oder auch mal ein Aufwindkraftwerk oder so. Jedoch ist Solarenergie insofern im Vorteil, als dass es eine einfache Sache ist. Wenn die Anlage installiert ist, kommt Strom raus, wenn Licht drauf fällt. Ich erkenne, dass ich mal fegen muss, wenn Blätter drauf liegen. Ich weiß, da rufe ich einen Elektriker an, wenn da ein Kabel abgeht und fällt ein Panel aus, hab ich immer noch andere. Eine Windkraftanlage ist da wesenstlich unkomfortabler, wenn mal was hakt. Und Photovoltaik lässt sich besser skalieren, als Windmühlen. Zudem sind die Anschaffungskosten nicht so hoch, amortisieren sich nach sieben bis acht Jahren und die Energiebilanz kehr sich ins bei aktuellen Modulen nach ein bis zwei Jahren ins positive, d.h. ein Modul hat mehr Strom produziert, als es seine eigene Produktion verbraucht hat. Ab da läuft es aber noch 20 bis 40 Jahre.

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