03.10.2011 17:48:53

Mehrspur-Homerecording-Setup mit Phonic-Mixer und KRISTAL Audio Engine

Phonic Helix Mixer

Nachdem ich in den letzten Wochen mal wieder an meinem Recordingenvironment herumexperimen- und hineininvestiert habe, nutze ich mal die Zeit, die das Rendern von alten Fruity-Loops-Bastelleien benötigt, um meine bisherigen Erfahrungen zusammenzuschreiben. Auch, weil ich nicht wirklich eine brauchbare Zusammenstellung für meine Anforderungen gefunden habe, diese aber garnicht so außergewöhlich finde. Sprich: Eventuell entsteht hier Mehrwert. Na mal sehn.

Bis vor kurzem habe ich sämtliche Aufnahmen mit einem Korg-D1200 (CD) 4-Spur-Hardiskrecorder (jpg) gemacht, der gleichzeitig auch als Mixer fungierte. Das lief soweit ganz gut, allerdings hat das Gerät nur 2 XLR-Mikrofoneingänge, was mir mittlerweile zuwenig ist. Nicht nur, dass die Ab- und Aufnahme von Mikrophonen ganz allgemein über XLR fetter klingt, auch der Umstand, dass ich die Abnahme meiner Westerngitarre per Kondesatormikrophon (mit erforderlicher Phantomspannung!) ausprobieren wollte, führten dazu, dass ich mich nach Alternativen umsah. Naja und mit dem Umsehen ist das ja immer so ne Sache. Man will ja richtig investieren und so kamen zu den Überlegungen des Mischpultes auch gleich die der Erneuerung eines Aufnahmesetups dazu. Auch wenn der Korg immer das gemacht hatte, was ich wollte (ich hab ihn angeschaltet und er hat abgemsicht bzw. aufgenommen), war das Übertragen der Daten zum PC dann doch zeitaufwändig, da er leider nur über eine USB 1.1 Schnittstelle verfügt. So dauerte das Überspielen von vier, fünf Spuren schon mal 20-30 Minuten (incl. internem Umkopieren).

Also konkretisierten sich die Anforderungen an die neue Hardware. Sie sollte mindestens 6 Kanäle verwalten können, davon mindestens vier XLR Eingänge, die Kanäle sollten per USB an einen Computer durchgereicht werden können und zwar so, dass jeder Kanal einzeln mitgeschnitten werden kann. Hier muss man vorsichtig sein, denn die günstigeren Varianten der erhältlichen USB-Mixer geben (neben dem Umstand, dass sie teilweise ebenfalls nur über USB 1.1 verfügen) nur die Summe als Rechts-Links-Mastersignal an dem Computer aus. Bei einigen Geräten kann man noch auswählen welche Kanäle ausgegeben werden, aber eben nicht, dass alle gleichzeitig als separates Signal aufgenommen werden können. Soweit ich das gesehen habe, fangen die Preise für Mixer mit USB 2.0 und der Möglichkeit separat alle Kanäle gleichzeitig auszugeben bei ca. 250-300 Euro an.

Jedenfalls bin ich nach vielem Suchen und Vergleichen und "der-isses-jetzt-ach-nee-der-hat-ja-das-nicht-Erwägungen" bei dem Helix Board 12 Universal (das da oben) gelandet. Ich glaube übrigens die USB-Version tuts genauso, wenn man kein Firewire braucht, aber ich habe das Universal günstig bekommen. Der Mixer verfügt über sechs Eingangskanäle, wobei die ersten vier Monoeingänge (mit Vorverstärker und Phantomspeisung) sind und die letzten beiden Stereo-Eingänge. Zusätzlich gibt´s zwei Effektwege, allerdings ist das im Mixer eingebaute Effektgerät fest mit dem 2 Aux-Weg verlötet. Insgesamt macht das Geräte geanu das, was ich haben wollte und zudem einen robusten Eindruck. Eine getrennte Regelung des rechten und linken Kanals am Master wäre noch schön gewesen und ich habe noch nicht rausbekommen, ob man das Mastersignal nur auf den Kopfhörerausgang legen kann, aber zur Not zieht man einfach den Stecker zum Verstärker raus. Ansonsten tiptop. :)

Soweit so gut, aber das zweite Anliegen war bis dahin noch ungetestet und auch meine Recherchen haben im Vorfeld nicht wirklich was ergeben. Also musste ich ausprobieren. Vorab nochmal eine Konretisierung meiner Wünsche: Ich wollte alle Spuren des Mixers gleichzeitg per USB an einen Computer ausgeben und aufnehmen können, also ein simulanes Mehrspurrecording. Das der Phonic sowas prinzipiell kann, war klar. Jedoch zeigte sich schnell, dass die Fähigkeit der Hardware noch nicht bedeutet, dass entsprechende Software damit auch umzugehen vermag. Ich werde jetzt nicht tiefer in die Spezifika von PC-(Windows)-Soundverarbeitung eigehen, denn das habe ich weder verstanden, noch finde ich es in Rahmen einer hobbymäßigen Auseinandersetzung mit Musikprodktion nachvolziehbar oder angemessen. Audioverarbeitung am Computer vermittelt einem auch 2011 noch das Gefühl, Anfang der 90er zu leben (allein schon, wenn man sich die Optik der Installationsassitenten entsprechender Programm und Treiber anschaut), und was jetzt genau ASIO ist und ob und wozu ich das haben will, weiß ich ebenfalls noch nicht. Demzufolge gab ich mehreren Programmen (die meisten davon muss man übrigens immer(!) noch installieren, tststs...) eine 10-15-Minuten-Chance, um mich davon zu überzeugen, dass sie mit den Tönen, die vom Phonic kommen etwas anfangen können. Am besten in 96 KHz und 24bit Sampling. Ach ja und Freeware/OpenSource sollte es natürlich sein, am liebsten als portable Version.

Als erstes habe ich den Freeware-Audio-Branchenprimus "Audacity" ausprobiert. Ein wirklich, wirklich hässliches Programm, dass aber im Prinzip ziemlich gut ist und das teilweise auch als Mehrspurrecordingkandidat diskutiert wird. Da ich ansonsten auch viel damit mache, wäre es mir entgegengekommen, wenn ich darin einfach die Spuren hätte aufnehmen können. Können... Geht aber nicht. Zumindest hab ich keine Möglichkeit gefunden, Audacity dazu zu bewegen mehr als eine Stereospur zeitgleich aufzunehmen. Zudem habe ich den Eindruck, dass das Programm nicht so gern mehr als zwei bis drei Spuren abspielt, wenn es gleichzeitig noch aufnehmen soll. Also erstmal wieder weg damit. Als nächstes kam MU.Lab dran. Auch Freeware und ich denke, prinzipiell kann das Programm das, was ich gesucht habe. Jedenfalls deuten viele der Einstellmöglichkeiten darauf hin. Ich habe es aber auch nach einer Dreiviertelstunde nicht geschafft die Input-Filesaver-Master-Output-Kanalweg-Logik dazu zu bringen, auch wirklich mal einen Ton aufzunehmen. Wie gesagt, Usability auf den Stand von vor 15 Jahren. Desweiteren habe ich noch gefühlt 18 andere Freewareprogramm installiert (bzw. mich über deren Installation geärgert), gestartet, mir die Einstellungen angeschaut, versucht damit aufzunehmen, sie wieder verworfen, aber die meisten vielen nach den ersten paar Minuten wieder aus der Auswahl, weil sie sich als ungeeignet, unlogisch oder unfähig herausstellten.

Schließlich bin ich bei einem zwar alten, aber eigentlich ganz brauchbaren Programm namens KRISTAL Audio Engine gelandet. Ich habe KRISTAL schon öfter angetestet, habe mich aber bisher immer an dem Bedienkonzept gestört, das mir nicht so wirklich eingängig erschien. Zusätzlich bin ich skeptisch bei Software, die über Jahre nicht aktualisiert wurde. Aber: Ich habe KRISTAL gestartet, es hatte den Phonic-ASIO-Treiber bereits ausgewählt und ich kann jeder der 16 Spuren im Programm einen beliebigen Kanal des Phonic zuordnen und diese entweder nacheinander oder GLEICHZEITIG aufnehmen - out-off-the-box! YEAH! Das war es was ich wollte. Damit ist es spielend einfach auch partielle Overdups nachträglich einzuspielen oder mit 2-3 Leuten (Gesang und Instrumente) gleichzeitig aufzunehmen. Dabei können die Signale mit 96KHz/24bit verarbeitet werden, es gibt kaum Probleme mit Latenzen und das Programm ist "ergebnisstabil", d.h. es passiert zwar mal, dass KRISTAL hängen bleibt, aber das bisher immer zu Beginn der Aufnahme, sodass sich der Frust in Grenzen hält. ZUsätzlich finde ich für genau diesen Anwendungszweck das Bedienkonzept ganz gut, man ist sehr schnell in der Aufnahme unterwegs und beim Einspielen kommt es eh eher auf das Timings des Musiker an, als auf die Genauigkeit mit der man in der Software frikeln kann.

Leider bin ich von den Nachbearbeitungsmöglichkeiten in KRISTAL immer noch nicht überzeugt, sodass ich vermutlich die aufgenommenen Spuren dann doch in Audacity mixen werde, weil das einfach viel bequemer zu bewerkstelligen ist (mit dem Nachteil des teilweisen Synchronisierungsaufwands), aber für die Aufnahme finde ich es bisher wirklich super. Zumal ich sogar auf meinem M912 NetCafébook aufnehmen kann, die Anfordeurngen an hohe Rechenleistung also eher nicht so hoch sind.

Soweit sind meine bisherigen Erfahrungen mit dem USB-Mixer-Mehrspurrecording für den Hausgebrauch. Ein wenig Zweifel habe ich ja noch, weil ich schon sehe, dass dieser Weg nicht die Stabilität aufweist, die ein kompaktes Gerät wie der D1200 hat. Auf der anderen Seite muss man dagegenrechnen, dass der Zeitaufwand fürs Übertragen wegfällt und man dadurch einen flüssigeren Arbeitsablauf bekommt, was angenehm ist und gerade das Overdubbing irgendwo im Song geht sehr angenehm von Statten. Ob sich das wirklich auszahlt, kann ich noch nicht sagen. Schön wärs, wenn entweder Audacity mal noch das Mehrsspurrecording lernt (so, dass es sofort geht) oder wenn KRISTAL weiterentwickelt rauskommt mit verbesserten Spurberabeitungsmöglichkeiten. (Eins würde mir ja schon reichen ;)

Edit: Beispielsweise der Song "even the whitest snow" wurde auf diese Weise aufgenommen und "produziert".

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