14.05.2011 11:03:50

under pressure



Was für ein Luxus das ist, entscheiden zu können, welchem Druck man sich ausliefert und wann man einfach "Stopp, es reicht!" sagen kann. Vor allem sich selbst gegenüber. Eine unglaubliche Erleichterung diese nervöse, unterschwellige Anspannung auflösen zu können.

Optimal wäre natürlich, das eigene Bedürfnis nacht "etwas tun wollen" jeweils passend auf die Dinge lenken zu können, die gerade "dran" sind. Aber hey, damit würde man ja die Hälfte der Bediensteten auf hiesigen Finanz- und sonstigen Ämtern auf einen Schlag arbeitslos machen. Zusätzlich müsste man sich für die plötzlich wirklich frei werdende Zeit ernsthaft überlegen, was man damit anstellt. Die gewohnte Druck-Verweigerungs-Aufschiebe-Erledigen-Belohnen-Kette würde ja zerreißen. Es gäbe nichts mehr zu belohnen. Keine Schocki :( Das kann weder jemand wollen, noch von anderen verlangen.

Der erste und notwendige Schritt zur Belohnung ist also, sich zunächst auf die Angelegenheiten zu konzentrieren, die einem gerade in den Sinn kommen und die banalen Aufgaben hintan zu stellen. Damit das gelingt, bedarf es eines ausreichend großen Bedürfnisses überhaupt "die Welt"(TM) gestalten zu wollen (umgangssprachlich "Basteln", "Bosseln" oder "Knoddeln").

Verbringt man also eine ausreichende Menge an Zeit damit Dinge zu tun, die unnütz, gerade nicht dran oder zeitfressend sind, bringt man sich in einen Zustand der Zeitknappheit. Bölls zitiertem "Als Gott die Zeit gemacht hat, hat er genug davon gemacht" kann man somit auch ein "Als Gott die Zeit entwarf, war er wohl selbst im Stress" entgegensetzten (Auch wenn ich eine deutliche Abneigung gegen einen Facebooklink verspüre! Ach, machmal kotzt mich meine Ehrlichkeit selbst an). Diese Strategie funktioniert natürlich nur in einem generell, begrenzten zeitlichen Rahmen, dessen Existenz man aber ja ab spätenstens so fünfundzwanzig feststellt.

Die große Kunst besteht nun aber darin, in den Zeiten des Aufschiebens von Notwendigkeiten, nicht dem Durcheinander zu kommen. Nicht das Ziel aus den Augen zu verlieren. Damit klarzukommen, dass eben gerade einiges liegen bleibt oder dass es "wichtigeres" gäbe, was zu tun sei. Letztlich sogar der Falle zu entkommen, sich eine alternative Beschäftigung als Ablenkung von den eigentlich anstehenden Aufgaben zu suchen. Das ist schwer. Einfach nichts tun, in dem Wissen und dem Wunsch etwas tun zu müssen und zu wollen, kann einen in den Wahnsinn treiben.

Sich externen und (vor allem) den internen Ansprüchen und Forderungen nicht zu unterwerfen, sondern einfach darauf zu scheißen, für den Moment die Folgekette von Machen und Unterlassen aus dem Kopf, aus dem eigenen Bewusstsein zu prügeln, ist wohl das, was man als Freiheit empfindet. Als einen drucklosen Zustand im Augenblick. Als genießen. Vollkommen inhalts- und zweckfrei in einer bedürfnislosen Schwebe zu hängen.

Und auch das, was ganz da hinten so als hellgrauer Schleier irgendwas andeuten will, soll für den Moment nicht weiter stören...

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