12.07.2010 17:28:06

Ich hab das schon einmal gemacht.



Vor ein paar Jahren. Genauer: Vor über zehn. Einfach alles zusammengepackt, alle Zeichnungen, Kritzelleien, Textefragmente, viel Schulzeugs, Plüschtiere glaub ich auch, Ordner, Zeitschriften. Alles zusammengepackt und ab in den Container. Ohne viel Nachdenken einen guten Teil von dem was war einfach weggeworfen.

Das war irgendwie komisch und es gibt immer noch Momente in denen ich dran denke. In denen mir einfällt, dass dies oder jenes wohl dabei war. Vage Erinnerungen, nichts wirklich Greif- oder Beschreibbares, Ahnungen, nicht mehr. Fragmente eines pseudofotografischen Gedächtnisses.

Heute ist wieder so ein Tag. Ein halber Müllsack voll CDs und DVDs kommt weg. Vieles ist darin doppelt und dreifach gebackupt, sodass ich nicht sagen kann, dass es sich um so und soviel Rohdaten handelt. Aber ich schätze mal, in dem Sack sind zwischen 600 und 1000 CDs, irgendwas um die 480 Gigabyte. Selbst wenn ich davon ausgehe, dass die Scheiben nur halb voll sind, sind es immer noch über 200. Wenn man das in DIN A4 Seiten umrechnet vermutlich 600.000.000, wenn man die Abstände dazwischen groß genug macht.

Genau wie mit den verschlossenen Ordnern, den Zeitschriften und Skizzenmappen, sieht man auch den CDs nicht an was drauf ist, selbst wenn die meisten beschriftet und datiert waren, lässt sich nicht wirklich nachvollziehen was da jetzt weg kommt. Auf den CDs die ich heute wegwerfe, sind die unscharfen Erinnerungen von morgen.

Ich bin mir erstaunlich sicher, dass ich nichts wichtiges vergessen habe in den letzten Jahren auf mein aktuelles mehrere-Festplatten-Verteilsystem zu kopieren. Hin und wieder hab ich kurz gezögert, doch nochmal überlegt zu schauen um was es sich da gerade wirklich handelt. Aber irgendwie ist CD einlegen, warten bis sie gelesen wird, den aufploppenden Autostart wegklicken und anschließend feststellen, dass es Lesefehler gibt und es ewig dauert bis man an die Dateien kommt, die einem genau deswegen, weil es ewig dauert als besonders wichtig erscheinen - alles das ist irgendwie total 90er. Nicht mehr zeitgemäß.

Zeitgemäß bedeutet, die Zeit die man aufwendet um in alten Speichermedien das zu finden was man sucht, ist unverhältnismäßig hoch, verglichen mit dem aktuellen Stand des Informations-Beschaffungs-Faktors. Erinnerungen haben nichts damit zu, schnell und präzise abrufbar zu sein. Erinnerungen sind blasse Schleier von etwas, das zwar sicher war, aber dessen man sich nicht sicher sein kann. Erinnerungen dürfen nicht in kurzer Zeit verifizierbar sein. Das wäre absolut enttäuschend.

Was wird das nächste Sein, was wegfliegt? Kopieren von Daten, wird nicht mehr langsamer als derzeit üblich. Speicherplätze werden nicht mehr kleinteiliger. Die gesamten CDs von 10 Jahren würden heute auf eine Festplatte für 50 Euro passen und wären, wenn man das Wechseln nicht mitrechnet vielleicht zwei Tage Kopierzeit in Anspruch nehmen. Beim nächsten Mal wird es kein Wechseln des Mediums mehr geben. Vielleicht drei Festplatten. Vielleicht einen Tag kopieren. Ich werde nichts mehr wegwerfen. Es geht nichts mehr verloren und das was da ist, wird in Echtzeit indiziert und abfragbar sein.

Hören damit die Erinnerungen auf? Und wenn ja, will ich das?

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