06.07.2010 00:00:10

Hin und wieder gibt es diese Momente,



zwei, drei Minuten im Regen, im Dunkeln, am Rande. Wenn das Licht stimmt oder die Luftfeuchtigkeit oder die Summe an Gerüchen. Wenn alles das was nicht ist, genau richtig ist, eben weil es nicht ist. Weil in dem Moment, in dem jeweiligen Jetzt-und-Hier genau diese Unvollkommenheit, den Charm, die Romantik, die Stille ausmacht.

Wenn egal wird, wer was wann wo wie geschrieben, gesagt, gemeint hat. Oder man selbst. Egal, dass man gerade alles auf einen Schlag einfach seinlassen und weggehn oder da bleiben könnte. Egal, dass man das eben doch nicht kann, weil der Augenblick einen dermaßen fesselt, dass ein Ausbruch aus der eigenen, gleichförmigen Bewegung unmöglich erscheint, während man feststellt, dass selbst das Sich-auf-das-Genießen-konzentrieren nur eine lächerliche Farce ist, angesichts des Genusses, der sich unabwendbar erschließt.

Es sind die Fotos, die man nicht macht, weil man zu faul war die Kamera mitzunehmen, zu faul sie sich rechtzeitig zurechtzulegen, zu faul nochmal rauszugehen, obwohl die Zeit dazu wäre, Licht und Luftfeuchtigkeit auch noch stimmten. Vielleicht sind das die wichtigsten Aufnahmen die man macht. Die, über die man sich lange den Kopf zerbricht, weil man sie nicht gemacht hat. Weil alles zu perfekt war, um den törichten Versuch zu wagen, es konservieren zu wollen.

U2 aus einem offenen Fenster - with or without you. Purer Kitsch. Dabei sollte doch eigentlich Entertainment for the Braindead zu hören sein oder besser noch Extasy for the Braindead, leise. Aber es ist egal. Es kondensiert sich alles in einem Tropfen. Grün, Gelb, Rot der Ampeln, der glänzende, dunkle Lack der Autos, die Härte des Asphalts, Rauschen in den Bäumen, Fremde, die - in der Stimmung gefangen - vollkommen harmlos werden. Stimmen bedeuten nichts als Anwesenheit. Farben nichts als Glanz. Geräusche nichts als Dichte. Sehen nichts weiter als Lächeln.

Es ist das, was diesen unerklärlichen Drang einfach loszuheulen produziert - hin und wieder, wenn man sich eingestehen muss, dass alles vielleicht doch garnicht so übel ist.

Ich glaube, ich liebe diese verfickte, zerbrechliche, echte Romantik. Hol sie der Teufel.

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