20.04.2010 22:07:21

Die Welt geht unter!

Die Metapher [...] ist eine rhetorische Figur, bei der ein Wort nicht in seiner wörtlichen, sondern in einer übertragenen Bedeutung gebraucht wird, und zwar so, dass zwischen der wörtlich bezeichneten Sache und der übertragen gemeinten eine Beziehung der Ähnlichkeit besteht.



Und ich frage mich jedes Mal, wohin sie denn untergehen soll? Das Bild, das des Untergehens, kommt ja aus der Seefahrt. Wobei auch ein Reich untergehen kann, ein Stagediver kann untergehen und selbst ich und du, wir können (gesellschaftlich oder gar existenziell) untergehen. Immer das gleiche Sprachbild und immer ein horizontaler Bezug. Die Wasserliene, die Erdoberfläche, die Köpfe des Publikums oder die soziale, finanzielle, (welche auch immer) Hierarchie. Es gibt immer diese Bezugspunkte.

Nicht so bei der Welt. Was solle der Horizont sein, an dem gemessen sie unter geht? Die lactosefreie Milchstraße? Es gibt diesen Bezugspunkt nicht und zwar aus einem einfachen Grund. Die Welt wird nicht untergehen. Sie wird irgendwann vielleicht in die Sonne stürzen oder auskühlen oder was weiß ich, aber nicht untergehen.

Macht das einen Unterschied? Ja, den macht es! Nur weil "unsere Welt", die Form des Planetens, die wir zum Leben brauchen, unter geht, bedeutet das nicht zwangsläufig etwas dramatisches, etwas entscheidendes. Wir sind nicht entscheidend. Ich hab ja eh an mindestens der Hälfte der Metaphern, die mir über den Weg laufen etwas auszusetzten (besonderns gern bei biologisch absolut falschen), aber in dieser sprachlich-semantischen Verschiebung stimmen die Proportionen auf eine Weise nicht, dass es körperlich schmerzt. Und ich finde, dass sich darin eine Arroganz ausdrückt, die jedem Realismusses spottet.

Ganz abgesehen davon ist es in dem gleichen Maß eine unangebrachte Übertreibung, wie es eine verfrühte Kapitulation vor dem Leben (das ja bekanntlicher Weise einen Weg findet) selbst ist. Glauben wir wirklich, dass wir aussterben, nur weil sich ein paar Kontinentalplatten schneller als sonst verschieben, der ein oder andere Vulkan ausbricht oder es zu größeren Überschwemmungen über mehrer Jahre hinweg kommt? 

Ja, es ist ja nur so ein Satz. Aber ja, es ist eben auch ein Kondensat dessen, was wir uns gerne herausnehmen zu sein. Und es ist (auch in atheistischem Sinne) eine Gläubigkeit ohne Realitätsbezug. Denn wenn wir uns an Gottes Statt einsetzen, haben wir nichts gewonnen, soviel sollte klar sein.

Im Übrigen teile ich die Ansicht, dass zur Zeit auffällig viel geo- und seißmologisches passiert auf diesem kleinen Spaßball und dass wir uns vielleicht damit abfinden und darauf einstellen sollten, dass Gaia vielleicht einfach grad Bock auf Sex hat und uns daher in nächster Zeit noch öfter ficken wird. Aber was weiß ich denn schon...

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