15.02.2010 12:05:29

"Brennen die schon?"

Sie meinte die Mülltonnen.



Ich fand es schon erstaunlich - und, ja, es ging mir wohl auch darum - live zu sehen, wie bei den vorgestrigen Auseinandersetzungen in der Dresdner Neustadt in und um die Blockaden des geplanten Naziaufmarsches Mülltonnen aus Hauseinfahrten und Hinterhöfen auf die Straße gezerrt wurden. Das sah in ech so aus wie sonst im Fernsehen und vielleicht hätte ich hier schon davon ausgehen sollen, dass das alleinige Herschleifen der Tonnen noch nicht das Ende sein sollte.

Und doch hat mich die unterstellte Logik in der Frage der vielleicht 20jährigen jungen Frau erstaunt. In ihr klang eine Professionailtät der Erwartung mit. Kurz darauf haben sie dann wohl gebrannt, die Mülltonnen.

Ebenfalls heftig war der Eindruck, den der Mopp von etwa 100 Leuten hinterließ, der mit Flaschen, Steinen und Hass einem Reisebus voller anderer Leute hinterherrennt und diesen zu stürmen versucht. Wenn man sieht wie Autoscheiben platzen, wärend die Insassen zu fliehen versuchen oder vermummte Massen Parolen skandierend durch die Straßen ziehen, ist das nicht minder medial bekannt und doch in echt wesentlich aufregender, so und so.



Erschreckend und fazinierend ist das, sofern man sich gewiss ist, selbst unbeschadet zu bleiben. Eine Gewissheit, die erstaunlich schnell kippen kann, denn einen wirklichen Überblick in dem Getümmel aus Polizei, Schaulustigen, Linken, Rechten (ja, tatsächlich gab es einzelne Rechte die sich quasi in der Menschenmenge zu verstecken suchten), Passanten, Kindern, Straßenverkehr und Helfern bedarf wohl einer gewissen Übung oder vielleicht der beschriebenen Professionalität.

Ich finde die Gewalt oder auch nur die Bereitschaft dazu auf keiner der beteiligten Seiten sinnvoll und möchte hier auch nichts davon rechtfertigen.

Was ich aber (und ich bin dabei selbst ein wenig über mich erstaunt) für sehr gelungen halte ist die Tasache, dass in diesem Jahr das Bild, das von "Dresden und den Nazis" durch die (Welt-)Presse ging, nicht die marschierenden Rechten sind. Auch nicht die chaosstiftenden Autonomen oder die esklationsschürenden Polizisten. Das Bild ist, dass ein große Menge an Menschen (die Blockierer auf der Neustädter Seite) ausreicht, um eine kleine Menge an Menschen daran zu hindern, ihre dumme Menschenverachtung auszudrücken.



Es ist der eine Kameraschwenk, über den Vorplatz des Neustädter Bahnhofs, der zeigt, dass es gelingen kann, die Rechten eben nicht fahnenschwingend und Hässlichkeit skandierend durch die Straßen ziehen zu lassen. Das Gedenken und die Menschenkette auf der Altstadtseite hatte, wie ich finde einen anderen Anspruch und auch eine andere Ausrichtung.

Aber meine Motivation an letzten Samstag rauszugehen entstand, als der Dresdner Bürgerfunksender "Coloradio" berichtete, die Polizei führe mit Wasserwerfern in der Louisenstraße auf und die könne eine mögliche Ausweichroute für die Rechten sein. Irgendwie wollte ich das nicht. Irgendwie, fand ich, war dabei eine Grenze erreicht, die mich veranlasste da draußen zu sein, auch wenn ich nicht wusste, was mich erwarten würde. Nicht mal, was ich da konkret machen könnte.

Und irgendwie finde ich es gut, sagen zu können, dass wir gewonnen haben.





Ich finde den Spruch eigentlich doof, weil ich nicht wüsste wo sie sonst hinsollten, es bleiben ja doch Nazis, aber trotzdem ein wenig Zivilcourageromatik zum Anschluss.

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