16.10.2010 05:39:55

"Du bist zeitlebens für das verantwortlich, was du dir vertraut gemacht hast."

Das stand hier schon mal. Damals unkommentiert. Heute anders. Wieso werden diese Sätze so gern zitiert und so selten verstanden? Was bedeuten Sätze wie: "Ich bin so(ooo) gern mit dir zusammen, möchte aber keine Beziehung mit dir."? Wie naiv ist es, jemandem anstatt einer Partnerschaft eine Freunschaft anzubieten? Wie sehr setzt es den Respekt gegenüber dem Verliebten herab? Der Satz von Exupéry ist natürlich nur in einem bestimmten Kontext, einem bestimmten Interpretationsrahmen verbindlich. Wenn ich bereit bin mit meinem ich weit ausladent herumzulaufen, viel und gerne über mich zu reden und gleichzeitig dabei auch die wichtigen Dinge von mir zu erzählen, wird es einen Menge Menschen geben, auf die dieses Vertrauen verteilt ist. Die alle kleine Vertrauensportionen von mir mit sich herumtragen und damit kleine Verantwortlichkeiten für mich. Aber es ist nirgends konzentriert. Legt man jedoch die eigenen Träume, Wünsche, Gedanken in die Hände von Wenigen, Exklusiven, gewinnt das Zitat an Schwere. Es wird erst in diesem Blickwinkel (oder Korsett) zu etwas Wertvollem. Zu etwas Gültigem. Natürlich ist es Unfug Scheitern an einem Satz, einem Augenblick oder einer Variablen festzumachen. Großer Unfug, etwa in der Art sich über ein verlorenes Volleyballspiel an einer einzigen falschen Schiedsrichterentscheidung aufzuregen. Aber es ist einer der Splitter, die dennoch hängen bleiben. Die Fragen aufwerfen, auf die man keine Antworten findet. Ich will nicht verstehen (können/müssen), was ich nicht verstehe. Man kann bestimmte Dinge nur begrenzt oft sagen und tun ohne dass sie lächerlich werden. Und das sind nicht die "großen" Worte und die höchst besonderen Momente. Es sind gerade Kleinigkeiten, die schnell fade werden, wenn man ihnen zu oft zu viel Gewicht beimisst. Vielleicht sind die Kleinigkeiten nicht so belastbar, was Schwere angeht. Aspekte die - aus meiner Sicht - für eine relativ kleine Gruppe an Personen sprechen, denen man vertraut und die man sich vertraut macht und ein Aspekt gegen das sicherheitsheuchelnde Verstreuen der eigenen Identität. Das bedeutet nicht, dass es keine Grenze zwischen Freunden und Partnern gibt. Es bedeut, dass sie wohl fließend ist. Und fließende Dinge stören sich an Grenzen. Zischen und Schäumen und Gurgeln und Strudeln. Sie beruhigen sich nicht, sie erregen sich daran. offtopic: Ja, ich weiß der Film hat sowohl technische als auch inhaltliche Schwächen. Aber ich wollte damit ausprobieren, wieviel Zeit es mich kostet, so etwas zusammen zu schrauben. Ich wollte sehen, ob die Qualität in der dafür vorhandenen Zeit ausreicht. Ich bin mir noch nicht sicher... Und ich wollte schon so lange einen Vimeo-Account. Und ich wollte schon so lange mal wieder ein Filmchen drehen.

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