03.10.2010 15:26:43

absolut niemals. absolut immer.



Es ist eine der ganz großen Fragen. Sie tauch hin und wieder auf, produziert eine spontane Antwort, die ich im nächsten Augenblick wiederum selbst in Frage stelle. Ein Ende finde ich nicht.

Kann etwas für immer Gültigkeit besitzen? Kann etwas niemals eintreten, niemals wahr sein, niemals so und so laufen? Gibt es eine vernünftige beständige Auflösung für diese dualen, gegensätzlichen Paare?

Meine erste Reaktion auf derlei Absolutismen ist, sie auszuschließen. Ich gehe nicht davon aus, dass es auch nur irgendetwas gibt, das für immer da ist, das immer gilt oder immer so und so funktioniert. Nichts ist unendlich und damit kann es keine dieser (häufig ja wünschenswerten) Beständigkeiten geben. Und dann...:

Aber ist diese Erkenntnis dann nicht die Beständigkeit, die sie selbst auszuschließen versucht? Wenn es immer so wäre, dass nichts immer gleich ist, wäre das doch ein Fixpunkt zum Festhalten. Keiner mit dem sich gut kalkulieren ließe, aber immerhin eine Sicherheit. Funktioniert nur leider nicht. Wenn es eine immer gültige Regel gibt die besagt, dass es keine immer gültigen Regeln gibt, wer gibt dann etwas auf diese Regel?

Ich bin prinzipiell skeptisch, wenn Sätze (zumal Sätze mit normativem Inhalt) immer oder niemals enthalten und es ist natürlich die Frage über welche Zeiträume man sich unterhält. Jedoch allein die Tatsache, dass die wenigsten Menschen, die gern und viel in Absolutitäten reden, von sich aus ihre Aussagen in einen zeitlichen Kontext setzen, macht mich dabei sofort stutzig. Vielleicht tun sie es, weil sie selbst bereits wissen, dass die Halbwertzeit ihrer Meinungen und Standpunkte nicht einmal mehr so lange vorhält, wie es Zeit in Anspruch nehmen würde sich Gedanken über deren wirkliche Dauerhaftigkeit zu machen. Erstaunlich ist dabei, dass ich den größten Teil der Leute, die diese kurzwertig-langvorhaltenden Aussagen treffen als konservativ bezeichenen würde. Erstaulich ob des geringen Grades der Halbtbarkeit. Leider führen diese Beobachtungen auch nicht wirklich zu mehr Genauigkeit von (teil-)absoluten Prognosen.

Doch wenn es weder die Verlässlichkeit gibt, dass nichts unendlich ist, noch eine Gewissheit darüber welche Dinge, welches Verhalten und welche Aktivitäten absehbar erwartbar sind/bleiben, gibt es dann ein "niemals" oder ein "immer"? Bzw. warum halten sich diese Begriffe in der Sprache? Weil sie Ausdruck von Hoffnung sind? Weil jeder der neu dazukommt sie braucht, um sich an die Grenze heranzutasten? Um seine eigene (Un-)Endlichkeit(en) zu fassen? Erwächst aus diesen Such- und Neudefinitionsprozessen die Dynamik der Beziehungen, der Gruppen, der Gesellschaften?

Oder ist es dann doch zum Schluss wieder eine Intellektfrage? Die Unterscheidung zwischen Hirnen und ihrer unterschielichen Eignung mit Wahrscheinlichkeiten umzugehen? Je unflexibler ein Geist ist, desto mehr braucht er absolute Rahmen und umgekehrt. Kann man zusammenpassende Charaktere vielleicht schon dadurch finden, dass man die Benutzung der Wörter "immer" und "niemals" über einen definierten Zeitraum und/oder in definierten Situationen misst?

Aber sowas funktioniert ja sowieso nie. Wobei ich überraschter wäre, wenn es immer funktionieren würde.

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