29.12.2009 23:40:47

Altlasten

Vorgestern Nachmittag wollte ich etwas schreiben. Etwas über Wünsche. Wünsche, deren Erfüllung oder eben die Verwehrung dieser Erfüllung. Es war einer dieser seltenen Momente in denen sich Gedankenfragmente in wenigen Sekunden zu einem schlüssigen Ganzen zusammenfinden. Leider war nichts (nicht mal Zeit) zum Schreiben da. Nun ist es wieder weg und es bleibt der merkwürdige Eindruck einer Erkenntnis, die ebenso sicher war, wie sie nun nutzlos ist.

Aber: Wünsche. Wünsche sind persönliche Dinge. Bis auf die, die jemand anderen mit einbeziehen. Und um eben diese ging es. Kann man sich wünschen, mit jemand anderem zusammen zu sein? Ich meine, hat das irgend etwas mit dem zu tun, was man sich sonst so wünscht? Geld, Erfolg, Gesundheit, Weltfrieden, Glück?   

Beim Glück ist es vielleicht ähnlich. Je nach Definition ist Glück auch etwas, was sich nicht erreichen lässt. Man hat keinen Einfluss darauf, ob man Glück hat. Es passiert oder nicht. Genauso wie man mit jemandem zusammen kommt, mit dem man zusammen kommen möchte. Es passiert oder eben nicht. Da lässt sich nichts manipulieren, nichts drehen, man merkt, dass es so ist, sag es und dann steht man entweder glücklich oder unglücklich da.  

Wieso Altlasten? Beziehungswünsche sind Altlasten. Die Wünsche und was aus ihnen geworden ist, wird und werden soll. Irgendwann verblassen auch die innigsten Wünsche. Irgendwann ist aus allen Wünschen, aus denen nichts geworden ist, wirklich nichts geworden, nichts als die Erinnerung an einen Wunsch, aus dem nichts geworden ist. Pech.   

Und dennoch versucht man beim nächsten Mal schlauer zu sein. Es besser zu machen. Früher aufzupassen, andere Sachen in anderen Momenten zu sagen. Man wähnt sich sicher oder zumindest sicherer als beim letzten Mal. Man hat ja Erfahrung, schlechte und gute. Man fängt an zu denken, man könne die Dinge 'richtig' machen. Man fühl sich gut, es läuft gut, keine großen Schmerzen. Man ist vorsichtig, lässt es langsam angehn.  

Das Ende ist klar. BÄM!, und man sitzt wieder in der selben beschissenen Falle, wie damals mit 14, 17 oder 26 Jahren. Man denkt, man ist total bescheuert, zu blöde um geradeaus zu denken und vor allem denkt man, dass man es nie, nie - verdamt nochmal nie lernen wird. Alle anderen haben Glück und man selbst wird nie welches haben. Vielleicht ist das sogar so, bei manchen Menschen.  

Das ist ungerecht. Das ist nicht zu akzeptieren und das ist zum Wahnsinnigwerden. Aber all das ändert nichts daran, dass man Glück - und das ist oft die irrige Annahme - nicht lernen kann. Glück hat man oder nicht. Der Wunsch mit jemand anderem zusammen zu kommen, erfüllt sich oder nicht. Er ist aber nicht durch uns beeinflussbar. Er kann nur geäußert werden. Unerfüllte Wünsche sind nichts anderes als Altlasten. Sie erfahren zu haben, hilft in keiner Weise bei den noch offenen Wünschen.  

Doch, eines kann man vielleicht lernen: Dass man trotz noch so vieler unerfüllter Wünsche, das Wünschen selbst nicht verlernen wird. Doch was ist das anderes, als eine Altlast?

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