17.06.2009 19:35:35

Für "Emotionale Kausalität"

liefert google vier Treffer. Ich bin erstaunt, dass es keine weitere Verbreitung, wohl nicht mal eine metaphorische, dieser Begriffskombination gibt. "Gefühlte Ursächlichkeit" wäre eine plausible Umformulierung, eine, die sich auch stimmig anfühlt.
Worum es geht? Ich hab seit längerem diesen Verdacht. Im Kopf. Die Kausalität geht verloren. Der Blick für die Zusammenhänge. Urache und Wirkung hängen zunehmend einzig durch Adverbien (oder sind es Adverbialen) zusammen. "Weil A so und so ist, ist B so und so." Über eine wirkliche Verknüpfung beider Ereignisse wird nicht nachgedacht. Es wird keine Verbindung hergestell und es wird zunehmend nicht mal mehr eine erwartet. Es wird akzeptiert, dass "deshalb", "darum" und "weil" ausreichend sind, um logische Brücken zu schlagen. Das war es was mich die ganze Zeit gestört hat.
Es ist aber viel schlimmer. Was wirklich abhanden kommt, ist das Gespür für Kausalität. Das biografisch gelernte Empfinden dafür, dass eine Sache sich in dieser oder jener geschilderten Form irgendwie merkwürdig anfühlt. Dass da etwas nicht stimmen kann, unstimmig ist, faul.
Schwierig sowas in Worte zu fassen, weil es sich zumeist nonverbal darstellt. Man hat ein komisches (kein lustiges) Gefühl bei einer Sache. Irgendwie scheint das, so wie es sich darstellt nicht zusammen passen zu wollen. Nicht nur ein dumpfes Gefühl, nein, ein sicherer Eindruck der Unstimmigkeit. Das kann garn nicht so und so sein, weil...
Das ist es, was verloren geht. Die Skepsis. Der innewohnende Drang einer Sache auf den Grund gehen zu müssen. Zu Hinterfragen. Zu schauen, ob es sich wirklich so verhält, wie es sich darstellt.
Es gibt Theorien, die unterstellen, dass es jeweils Charakteranlage ist, also fest verwurzelt, dieses Bedürfnis in sich zu verspüren. Ich habe jedoch häufig den Eindruck, dass man sich das auch einfach abgewöhnen kann.
Vielleicht ist Infragestellen keineswegs Grundpfeiler der Persönlichkeit. Vielleicht ist es einfach eine sinnvolle Verarbeitungsweise eines Gehirns, das in einer skeptischen Umwelt lebt und zwar genau so lange, wie diese Umwelt existiert. Vielleicht ist es viel einfacher aufklärerische Gedankenprozesse über Bord zu werfen, als bspw. unglücklich zu werden. Vielleicht ist Skepsis keine Gabe sondern ein Fluch. Vielleicht ist es viel wird man im Glauben seeliger.
Aber irgendetwas stört mich an dem Gedanken, irgendwas passt da nicht...
Konkreter? Ein Beispiel? Hab ich keins, ist aber auch nur so ein Gefühl.

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